Festival of Lights

 
 
 

Die TU Berlin beteiligt sich erstmals am Festival of Lights und projiziert mikroskopische Strukturen auf das TU-Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz, eines der höchsten Gebäude Berlins.

Student*innen von lab:present, Wissenschaftler*innen des Sonderforschungsbereiches (SFB1078) und die Künstlerinnen Michelle-Marie Letelier und Wiebke Kahn und das Experimental Stage Project haben in diesem interdisziplinären Projekt von lab:present eng zusammen- gearbeitet, um von der Wissenschaft in Berlin zu erzählen. In einer befruchtenden Arbeit ist Wissenschaftskommunikation als Kunstaktion in der städtischen Architektur entwickelt worden.

Im Mittelpunkt steht die Ästhetik mikroskopischer und submolekularer Strukturen, die unser Leben gestalten. Pflanzenzellen, Kristalle oder Proteinstrukturen sind dynamische und lebendige Konstrukte, wirken aber in ihren vielfältigen Formen oft, als wären sie von einem Maler gezeichnet oder einer Bildhauerin geformt. Passend zum diesjährigen Motto des Festival of Lights Connecting Cultures verbinden sich in Elemente des Lebens wissenschaftliche Inhalte und künstlerischer Ausdruck zu überdimensionalen Projektionen über dem Ernst-Reuter-Platz.

Drei 80 Meter hohe Bilder integrieren sich in die Fassade des Telefunken-Hochhauses der TU. Sie spannen durch ihr Licht einen Raum auf, der weit ins Stadtgebiet reicht und einen Schwerpunkt im Architekturgebäude der TU Berlin findet. Hier wird während der Festivaldauer „Structures – Elemente des Lebens verbinden Kunst und Wissenschaft“ gezeigt. In dieser Begleitausstellung werden die künstlerischen Hintergründe und wissenschaftlichen Inhalte der projizierten Bilder aufgegriffen und weiterführend erzählt.

DIE PROJEKTIONEN – ELEMENTE DES LEBENS

 ©Christian Jungeblodt
 
 

Caliche Crystals

Die erste Projektion von der chilenischen Künstlerin Michelle-Marie Letelier zeigt reale mikroskopische Aufnahmen von Kristallstrukturen, die sie mit Studierenden von lab:present in den Laboren der Physikalischen Chemie in der TU Berlin entwickelt hat. Diese sind Teil ihrer Serie Caliche Crystals.

Arctic Circle Sugar Kelb

In der Kooperation mit lab:present ist auch ihre zweite Projektion Arctic Circle Sugar Kelb entstanden. Die mikroskopische Struktur eines Algenblattes bringt sie in Dialog mit der Fassadenarchitektur des TU Hochhauses, indem sie dessen Wabenstruktur grün über der Stadt leuchten lässt.

Mangan-Cluster

 ©Christian Jungeblodt

Hier beginnt ein Dialog mit der dritten Projektion, welche vom Experimental Stage Project gestaltet wurde und Forschungsinhalte des Sonderforschungsbereichs Protonation Dynamics in Protein Function zeigt.

Dieses dritte Bild ist der Mittelpunkt des wissenschaftskommunikativen Projekts:

In den sogenannten Chloroplasten findet die Synthese des Farbstoffs Chlorophyll statt, der das Sonnenlicht absorbiert und zum Reaktionszentrum der Pflanzenzelle weiterleitet und den Pflanzen und Algen ihre typische grüne Farbe verleiht. Im Verlauf der Photosynthese bildet die Pflanze aus den anorganischen Stoffen Wasser und Kohlenstoffdioxid (in Verbindung mit dem Sonnenlicht) die benötigten organischen Substanzen. Diese katalytischen Prozesse finden in Proteinen statt und sind Teil der Forschung des SFB1078. Insbesondere ist das sogenannte Photosystem II, ein Protein, welches in der Zellmembran sitzt, Gegenstand der Arbeit. In einer sub-molekularen Struktur des Photosystems II wird während der Photosynthese, gewissermaßen als Abfallprodukt, Sauerstoff produziert, den wir zum Atmen brauchen. Eben diese Struktur ist der sog. Mangan Cluster, der in der dritten Projektion gezeigt wird. Dieser wird im Verhältnis von 1 zu 1011 (hundert Milliarden) an das Telefunken Haus projiziert. In diesem Maßstab hätte das Protein Photosystem II die Größe des Campus Charlottenburg, während die es umgebende Pflanzenzelle etwa so groß wie die Stadt Berlin wäre.

Die Clusterprojektion ist weit in Berlin zu sehen. Fußgänger*innen und Autofahrer*innen in der Stadt werden also bei der Betrachtung der Projektionen ein Teil der Installation „Elemente des Lebens“, bei der die Stadt Berlin mit ihrer Infrastruktur selbst gleichsam zu einer Pflanzenzelle wird.